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Unsere Reise startet dort, wo unsere letzten Kletterferien (Kalymnos)
aufgehört haben - nämlich auf dem Flughafen Zürich. Schon
der Flug nach Barcelona im milden Spätnachmittaglicht ist ein ganz
besonderes Erlebnis. Eigentlich könnte man fast schon von einem
Alpenrundflug sprechen. Alles was in unserer Alpenwelt Rang und Namen
hat, so zum Beispiel das Dreigestirn der Berner Alpen, Matterhorn, Montblanc,
Monterosa, ... zeigen sich in ihrer grössten Pracht und sind zum
Anfassen nahe. Beim späteren Betrachten unserer Fotos lässt
sich sogar die Cosmiques Hütte ausmachen. In Barcelona übernehmen
wir unseren Chrysler Grand Voyager. Wir finden alle Sechs bequem darin
Platz und auch unser ganzes Gepäck lässt sich grosszügig
verstauen.
Die Costa Daurada liegt gut 100 km südlich von Barcelona. Bis wir
allerdings an unserem Zielort Salou ankommen, die Wohnungsschlüssel übernehmen
und schliesslich in unserer Ferienwohnung eintreffen ist es fast schon
halb-zwölf nachts... und wir sind fast ausgehungert. Das letztere
ist aber kein Problem, denn die Spanier sind um diese Zeit erst richtig
am Essen. Was uns jetzt aber entgegen kommt, zwingt uns für den
Rest der Woche einen für uns ungewohnten Rhythmus auf.
Am nächsten Tag erkennen wir erst die gute Lage unserer grosszügigen
4-Zimmer-Wohnung. Vor uns nur Strand und Meer. Die gepflegte Strandpromenade
entpuppt sich bald als Laufsteg für Läufer, Velofahrer, Skater
und was sich sonst noch so ohne Motor bewegt. Unsere Terrasse ist ein
Logenplatz zum Beobachten - natürlich mit entsprechenden Kommentaren.
Da sind Touristen (zwischendurch auch Einheimische), ältere (zwischendurch
auch jüngere), breite (zwischendurch auch schlanke), Jogger mit
Elefantenschritt (zwischendurch auch solche mit Weichtritt), ... Zugegeben:
wir amüsieren uns ein Bisschen auf Kosten der anderen!
An unserem ersten Klettertag suchen wir uns mit La Mussara ein Klettergebiet
in der Nähe mit eher leichteren Routen.
Trotz der geringen Entfernung von rund 40 km zur Mittelmeerküste
ist mit rund einer Fahrstunde zu rechnen - weitere Gebiete sogar länger.
Wie sich bis Ende der Woche zeigen wird, ist die Felsqualität generell
sehr gut. Die Routen sind meist in feinem grauem Kalkkonglomerat. Also
viele Löcher und Tritte. Die Felsen sind aber meist steil und die
vielen Löcher und Tritte sind dann doch nicht so viel wie es aussieht.
Die Absicherung der Routen ist auf dem letzten Stand, d. h. Bohrhaken
meist in vernünftigen Abständen. Charakteristisch vor allem
für die einfacheren Routen ist allerdings ein hoch gesetzter erster
Haken kombiniert mit einem schwierigen Einstieg. Zudem sind die einfachen
Routen (4, 4+, 5, 5+) sehr hart bewertet. Nicht zuletzt deshalb erleiden
wir an unserem ersten Tag bereits eine kühle Ernüchterung.
Wir schaffen gerade mal die 4er - die 5er markieren bereits unser Limit.
Logisch, dass unser Ego etwas darunter leidet.
Die landschaftlich schönsten Gebiete sind Margalef und Siurana.
Margalef liegt in einer idyllischen Gegend. Die Zufahrtsstrasse bildet
zum Teil die Krete eines nahen Hügelzugs und bietet imposante Ausblicke
in die angrenzenden Täler. Vor allem die Rückfahrt ist ein
Stop and Go ... Nein! nicht wegen einem allfälligen Stau, sondern
weil an jedem Ecken fotografiert wird. Zum Klettergebiet selbst geht
es durch eine beeindruckende Schlucht. Das kleine Flüsschen lädt
zum Verweilen ein. Auf uns warten aber ein paar schöne Routen.
Auch nach Siurana führt eine schmale Strasse in unzähligen
Windungen durch eine wilde Schlucht bis zu einem exponierten Plateau,
wo das Dorf Siriana über die tief unten liegenden Täler thront.
Der Weg zum Klettergebiet führt einem Felsband mit atemberaubenden
Tiefblicken entlang. Viele Felszacken, Überhänge, Felsvorsprünge
und Höhlen bilden die richtige Staffage, um die Landschaft ins richtige
Licht zu rücken (gilt für die Fotofans unter uns). Die Sektoren
bieten leider keine leichten Routen. Einige wenige 5er, der Rest ab 6a.
Unsere 5er-Routen sehen zunächst abweisend aus - entpuppen sich
aber dann doch als sehr schön.
Das Dorf Siurana ist fein säuberlich ausgeputzt - ein Bijou, das
auch die "gemeinen" Touristen anzieht. Ein schmuckes, kleines
Hotel bietet Übernachtungsmöglichkeiten an (ist aber nicht
ganz billig).
Übrigens wurden im ganzen Hinterland der Costa Daurada viele Wanderwege
angelegt. Noch ausgiebiger dürfte aber das Velo als Fortbewegungsmittel
sein, denn von unseren Aussichtspunkten sind unzählige, ungeteerte
Wege auszumachen.
Klettertechnisch war das Gebiet Arboli unser Favorit. Hier stimmen die
angegebenen Schwierigkeiten und die Absicherung ist von unten bis oben
super. Wir können nicht mal alles in unserem Schwierigkeitsbereich
klettern und so bleiben einige Projekte offen für ein nächstes
mal. Immerhin schaffen wir alle eine schöne 6a+ Route mit einem
richtigen Überhang. Yeaahhh!! Wir sind wieder voll dabei und mental
gestärkt (mindestens bis uns der nächste Sektor wieder den
Tarif angibt).
Gegen Ende der Woche ist jedenfalls unser Kletterinstinkt geschärft
und wir sind so richtig für die spanischen Schwierigkeiten motiviert.
Doch erbarmungslos meldet sich der Abreisetag und wir packen wohl oder übel
unsre Sachen. Auch der spanische Himmel bedauert unsere Abreise und vergiesst
auf unserer Rückfahrt zum Flughafen ein paar Tränen. Schliesslich
ist der Rückflug nicht minder spektakulär wie der Hinflug.
Unser Alpenpanorama zeigt sich nochmals von seiner allerbesten Seite.
Zurück in Zürich ziehen wir unsere Ferien mit einem gemeinsamen
Abendessen noch etwas in die Länge - bei gleichen Temperaturen wie
in Spanien, ohne Meer, dafür mit vielen Bildern von der italienischen
Küste an den Restaurantwänden der Pizzeria. Wer weiss, vielleicht
heisst unser nächstes Ziel Sardinien.
Noch zwei Worte zum Thema Essen. Kulinarisch war unsere Kletterwoche
nicht gerade ein Highlight. Das liegt einerseits daran, dass die spanischen
lokale in Sachen vegetarische Gerichte ziemlich hilflos sind und andererseits
waren wir am Abend sehr hungrig und wollten nicht lange nach einem passenden
Lokal suchen. So wurde unser Essen so ziemlich Pub-lastig. Diese bieten
auch Vegetarisches an und ausserdem gibt es an fast jeder Ecke ein Pub.
Immerhin kamen auch die Fisch-Liebhaber zweimal zum Zug.
Zum Schluss noch ein grosses Dankeschön an David Wilson, der die
Kletterwoche perfekt organisiert hat. Es klappte alles wie am Schnürchen
... und ein kleines Dankeschön auch an die beiden Fahrer, die den überlangen
Chrysler durch die unzähligen Kreisel und Kurven der Sierras gesteuert
haben.
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