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Trotz anderslauternder Gerüchte - das Wallis ist noch nicht überall
mit Schneekanonen verstellt. Denn an unserem ursprünglichen Ziel lag
zuwenig Schnee, so dass wir statt in den Westen gen Osten fuhren und
in St. Antönien die Skis anschnallten. Nachdem diese befellt waren,
ging's mit den ersten Sonnenstrahlen in die Höh'. Die einen aufgrund
eines kürzeren
Atems wie auch Kummer und Sorgen im Gepäck ein bisschen langsamer, die
anderen besser trainiert mit einem flotteren Schritt. Doch innert kürzester
Zeit, nach einem abwechslungsreichen Aufstieg durch ein Bachtobel, den
lichten Wald, vorbei an Alphütten und über offene Hänge standen
wir auf dem Nebengipfel des Riedchopfs.
Ohne Wind, bei wolkenlos-blauem Himmel genossen wir die Rundumsicht und
wurden von einem schneeverrückten Hund glänzend unterhalten. Das arme
Tier konnte einfach nicht nachvollziehen, warum es auf dem Gipfel rum
sitzen musste und sich nicht sofort in den Schnee stürzen konnte. Ein
quengelndes Kind ist geradezu friedlich in seinem Verhalten im Vergleich
zu diesem Hund. Zu guter Letzt wurde er erlöst und mit Riesensprüngen
ging's zurück ins Tal.
Wir setzten unseren Weg mit kleineren Sprüngen,
aber ebenfalls ohne Skis Richtung Gipfelkreuz des Riedchopfs fort.
Dabei studierten wir auch die Aufstiegs-Route des nächsten Tages
an der Sulzfluh. Mit Sonne vollgetankt schwangen wir uns dann ins Tal,
tankten neben Sonne noch andere feine Dinge des Lebens auf der Sonnenterrasse
des Alpenröslis und genossen danach ein ausgiebiges Bad im warmen
Pool desselben. Gegen die Überhitzung sorgten einige kreisende
Bierflaschen.
Nach einer wunderschön-geheimnisvollen Vollmondnacht erklommen
wir dann am Sonntag die Sulzfluh. Nach einem kurzen Schwitzintermezzo
begrüsste und begleitete uns ein eisiger Wind, der auf dem Gipfel
die Schmerztoleranz frierender Finger auf die Probe stellte. So wurde
aus
der geplanten Gipfelsiesta
nichts und wir waren schon bald auf dem Weg Richtung Montafon. Auch wenn
in gewissen Führern etwas von der 'schönsten Abfahrt des Prättigaus'
steht - so toll war sie denn nun doch nicht. Aber immerhin sehr abwechslungsreich
und auch nicht ganz ohne - von wegen Steilheit und 'Abklettern und Abrutschen'
in, zwischen, mit und durch von Legföhren durchsetzten Steilhängen.
Wir hatten dadurch einige nicht alltägliche Herausforderungen zu überwinden
und brauchten
für die Abfahrt mehr Zeit als für den Aufstieg. Rückblickend
beurteilten wir alle den Hang - so weit unser Auge reichte - als nicht
befahrbar.
Naja, die Perspektive täuscht manchmal, und wie so für viele
Dinge im Leben gibt es verschiedene Wahrnehmungsebenen.
Mit einem stärkenden Apfelstrudel oder Kaiserschmarrn' verabschiedeten
wir uns vom Montafon und kehrten zufrieden unter die Hochnebeldecke zurück.
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