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Was ihr vielleicht schon immer einmal wissen wolltet - woher kommen
auch all die Namen. Hier wäre eine Lösung dazu: http://www.inst.at/berge/perspektiven/eisele.htm
Grossvenediger
Wer gab dir deinen stolzen Namen? (Quelle: http://www.tyrolweb.net/grossvenediger/grossvenediger/grossvenediger-006.htm)
An einem wundervollen Frühsommertag wanderte ich durch das romantische
Gschlößtal in Richtung Felsenkapelle. Bald kam ich an einen
kleinen See, der in einem von liebreizender Alpenflora umsäumten
Tümpel endete. Überrascht und gefesselt von der Zartheit der
Blütenpracht, die an Albrecht Düreres Meisterwerke gemahnte,
beschloß ich, hier ein wenig zu rasten. In Gedanken eilte ich jedoch
voraus zu der mit kristallschimerdem Gletschereis überzogenen Venedigergruppe
und sprach sinnend vor mich hin. "Wer mag sie wohl so benannt haben?" Dies
kann ich dir sagen", zirpte ein dünnes Stimmchen neben mir. "Ich
bin ein Wichtel und mein Volk haust schon Tausende von Jahren in diesen
Bergen, als man den stolzen Venediger noch Kößkogel nannte." Vorsichtig
neigte ich mich zur Seite, und in der Tat, da saß ein uraltes Zwerglein
neben mir, hatte die dünnen Beinchen übereinender geschlagen
und stützte sein etwas schweres, einsgraues Haupt in der hohlen
Hand. Lustig blitzte mir ein schalkhaftes Augenpaar entgegen, und als
ich dem Kleinen ermunternd zulächelte, begann er zu erzählen:
Der See, an dem wir sitzen, wird von einer Quelle gespeist. Sie führte
einst das im Berge aufgelockerte pure Gold in feinen Körnchen mit
sich; diese blieben am Grunde des Gewässers zurück. Vor undenklichen
Zeiten war ein Volksstamm aus dem Süden hier eingedrungen, um nach
Erzen zu schürfen. Er hatte Glück, denn gar bald gaben die
Berge Ihre Schätze frei, die sich in sich trugen. Die Mär vom
Tauerngold ging vom Vater auf den Sohn und auf dessen Kinder und Kindeskinder über.
So kam denn alljährlich zur Heuernte ein kleiner, alter Mann aus
Venetien, einen Sack und eine Waage mit sich führend, in das Tauerntal.
Regelmäßig machte er in der Schusteralm Rast, wurde stets
gut bewirtet und konnte sich von seinem beschwerlichen Weg ausruhen.
Als Dank für diese Wohltat schenkte er jedesmal dem Senner und der
Sennerin ein Goldstück, doch mußten diese Schweigen geloben.
Der Alte jedoch ging zum Tümpel, schöpfte Wasser in einen großen
Hut, ließ dieses abrinnen und versenkte sodann den goldhaltigen
Sand in den Sack, den er von Zeit zu Zeit abwog. Hatte er das richtige
Maß voll, so zog er heimwärts. Dasselbe Spiel wiederholte
sich Jahr für Jahr. Senner und Sennerin waren nicht nur älter,
sondern auch reicher geworden und sie erwogen, ob sie nicht ein Paar
werden und sich ein eigenes Gütl kaufen sollten. Zuvor aber wollte
der Senner wissen, woher der alte Mann das viele Gold habe. Er schlich
ihm nach und sah seinem sonderbaren Treiben zu. Erschrocken eilte er
heim und erzählte der Sennerin allerhand Ungereimtes von Zauber-
und Hexengold.
Nun wagten es die beiden nicht, zu heiraten und anzukaufen, denn niemand
würde ihnen glauben, daß sie das Gold als Geschenk für
ihre Guttat bekommen hätten, im Gegenteil, man würde sie als
Hexe und Hexenmeister anklagen und auf dem Scheiterhaufen ins Jenseits
befördern. Die Sennerin beschloß, den schweren Dienst aufzugeben,
zog sich zu ihren Verwandten zurück, wo sie nach kurzer Zeit plötzlich
starb. Die bekräftigte den Senner in seiner Annahme, daß es
hier nicht mich rechten Dingen zugehe; er packte seinen Schatz zusammen
und wollte ihn zurückwerfen in den Tümpel, woher er gekommen
war. So stark aber hatte ihn die Gier nach Gold schon in ihren Klauen,
daß er mit dem Beutel wieder in die Hütte zurückkehrte,
seinen Dienst aufsagte, ein Leben als Herr zu führen.
Jahre später jedoch kehrte er als Bettler in die Schusteralpe zurück,
um dort zu sterben - er hatte sein Gold genossen, Glück hatte es
ihm aber keines gebracht! Wie vordem kam der Fremde aus Venetien Jahr
für Jahr auf die Schusteralm. Er wurde auch vom neuen Gesinde freundlich
aufgenommen, doch Gold gab er niemals mehr dafür. Nur einmal ließ er
sich zu wohlgemeinten, aber unüberlegten Worten dem Bauern gegenüber,
der zufällig auf der Alm weilte, hinreißen: Er bot diesem
den Goldschatz im See als Dank an. Der Bauer wurde stutzig und zornig
rief dem Alten zu: "Mein Heu ist mir lieber als dein Gold! Geh deiner
Wege und laß dich hier nicht mehr sehen! Das Gewitter, das über
uns steht, hast sicher auch zu hergezaubert! Traurig verließ der
Fremde den ihn so lieb gewordenen Ort. Neugierig, wie Menschen einmal
sind, eilte der Bauer tags darauf mit seinem Gesinde zum Tümpel,
fand den goldglitzernden Sand, wußte damit aber nichts anzufangen,
und so gingen alle wieder ihrer gewohnten Tagesarbeit nach.
Der Venetier jedoch nahm in Hinkunft seinen Weg durch das Iseltal, überquerte
die eisbedeckten Berge und schöpfte nach wie vor sein Tauerngold
am gewohnten Platz. Einst fragten ihn die Leute, warum er eigentlich
den schwierigen Weg über das Gebirge wählte, und nicht wie
einstens durch das Tal wanderte. Zornig blitzten seine Augen die Wissbegierigen
an und rief ihnen zu: "Wäre nur einer von euch jemals dort
oben gestanden, so würdet ihr nicht so dumm fragen! Von jener Bergspitze
aus kann man einen großen Teil der Weltherrlichkeit schauen; ich
kann sogar meine vom Meer umschlungene Heimatstadt sehen, mein geliebtes
Venedig mit seinen in Gold gefaßten Marmorpalästen und seinen
herrlichen Kunstwerken - ja wir haben uns im Meer eine wundervolle Stadt
erbaut, unter der die Wellen schaukeln und an deren Pfählen sich
der Gischt des Meeres bricht. Aber auch ihr habt da droben ein Meer,
nur sind dessen Wellen in ewiger Erstarrung hoch aufgerichtet; an den
Felsen und weißen Wänden zerstiebt, vom Sturmwind gepeitscht,
der Schaum des Eises."
Man hielt den Fremden, der seitdem nie mehr wiederkehrte, für verrückt
- eine goldene Stadt im Meer und erstarrte Wellen am Kößkogl
- nicht auszudenken! Seither nannte man aber alle vom warmen Süden
kommenden Goldsucher Venedigermandln und aus dem Kößkogl wurde
der nun so bekannte und viel begangene Großvenediger.
Als der Wicht geendet hatte, löste er sich in feinen Dunst auf.
Verspielt hob ich eine Handvoll Sand und freute mich an den im Sonnenglast
vereinzelt aufleuchtenden Stäubchen - doch auch ich wußte
damit nichts anzufangen und so ließ ich ihn langsam durch meine
Finger zur Erde rieseln.
s'Fritzl
Zu Kals im Kalser Tale, südlich unterm Großglockner gelegen,
lebte ein weit verrufener Schwarzkünstler und Wunderdoktor, der
zugleich seine Freude daran hatte, den Leuten allerlei Schabernack anzutun
und seine Possen vor aller Welt Augen zu treiben. Zu Lienz beim Wirt
Sauter schob das Fritzl einmal den Ofen durch die Wand auf die Gasse
hinaus, und als er zu jedermanns Verwunderung lange dagestanden hatte,
schob er ihn auch wieder in die Stube hinein. Ebenso schob er den Ofen
beim Wirt Mayer auf das Hausdach hinauf; da erblickte ihn der Dekan Jäger
von seinem Fenster aus und "hängte ihn an", so daß 's
Fritzl zum Dekan hingehen und ihn bitten mußte, den Ofen wieder
herabschieben zu dürfen. Ein andermal saß an einem Markttage
ein Hahn auf einem Dache droben, da machte 's Fritzl die Leute aufmerksam,
daß dieser Hahn einen großen Baum am Schweife nachziehe,
und wirklich sahen es alle Leute so. Da ging ein Weibsbild die Gasse
herauf (es war am Oberplatz zu Lienz) und sagte: "Ihr Narren! er
hat ja nur einen Strohhalm im Schweife", und im selben Augenblick
glaubte jedermann einen Strohhalm zu sehen; 's Fritzl aber ließ diese
Weibsperson nicht ungestraft dafür, und sie mußte, je weiter
sie die Straße hinaufging, ihre Kleider desto mehr in die Höhe
heben, denn sie glaubte im Wasser zu gehen; daher wurde sie für
eine Verrückte gehalten.
Einstens wollte im Salzburger Land ein Gerichtsdiener 's Fritzl einfangen.
Da lief es hinter den Ofen hinein, jener wollte es beim Fuß herausreißen,
hatte aber nur den Fuß allein in der Hand. Auch konnte es sich
in verschiedene Tiere verwandeln. Einstens verwandelte es sich in eine
Maus, da kam aber eine Katze ins Zimmer, und da wäre es, wie es
nachher sagte, bald zugrunde gegangen, wenn es nicht schnell ein Loch
angetroffen hätte. Ebenso verwandelte es Speisen in Mäuse,
die es dann gerne zu essen bekam, wenn es sonst nichts gab. 's Fritzl
war auch ein Schütz' und schoß absonderlich Gemsen, die es
aus weiter Ferne traf, trotz dem Oberleitner in Tarenten. Einst verlangte
ein Jäger im Obervollbach vom Fritzl die Gemsen zurück, die
es in dessen Revier geschossen, und das Fritzl war gleich bereit. Es
trieb auf einmal 30 Stück Gemsen durch den Wald und rief höhnisch: "Na,
nimm sie dir doch!" Und flugs liefen alle 30 Gemsen durch die Gassen
zum Orte hinaus.
Noch gar viele andere Stücklein werden Fritzl nacherzählt,
und man könnte es in bezug auf diese den Pusterer Dr. Faust nennen.
(Quelle: Deutsche Alpensagen. Gesammelt und herausgegeben von Johann
Nepomuk Ritter von Alpenburg, Wien 1861, Nr. 350.)
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