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Skihochtourenwoche Grossvenediger / Grossglockner 17. - 24. April 2005


Was ihr vielleicht schon immer einmal wissen wolltet - woher kommen auch all die Namen. Hier wäre eine Lösung dazu: http://www.inst.at/berge/perspektiven/eisele.htm

Grossvenediger

Wer gab dir deinen stolzen Namen? (Quelle: http://www.tyrolweb.net/grossvenediger/grossvenediger/grossvenediger-006.htm)

An einem wundervollen Frühsommertag wanderte ich durch das romantische Gschlößtal in Richtung Felsenkapelle. Bald kam ich an einen kleinen See, der in einem von liebreizender Alpenflora umsäumten Tümpel endete. Überrascht und gefesselt von der Zartheit der Blütenpracht, die an Albrecht Düreres Meisterwerke gemahnte, beschloß ich, hier ein wenig zu rasten. In Gedanken eilte ich jedoch voraus zu der mit kristallschimerdem Gletschereis überzogenen Venedigergruppe und sprach sinnend vor mich hin. "Wer mag sie wohl so benannt haben?" Dies kann ich dir sagen", zirpte ein dünnes Stimmchen neben mir. "Ich bin ein Wichtel und mein Volk haust schon Tausende von Jahren in diesen Bergen, als man den stolzen Venediger noch Kößkogel nannte." Vorsichtig neigte ich mich zur Seite, und in der Tat, da saß ein uraltes Zwerglein neben mir, hatte die dünnen Beinchen übereinender geschlagen und stützte sein etwas schweres, einsgraues Haupt in der hohlen Hand. Lustig blitzte mir ein schalkhaftes Augenpaar entgegen, und als ich dem Kleinen ermunternd zulächelte, begann er zu erzählen:

Der See, an dem wir sitzen, wird von einer Quelle gespeist. Sie führte einst das im Berge aufgelockerte pure Gold in feinen Körnchen mit sich; diese blieben am Grunde des Gewässers zurück. Vor undenklichen Zeiten war ein Volksstamm aus dem Süden hier eingedrungen, um nach Erzen zu schürfen. Er hatte Glück, denn gar bald gaben die Berge Ihre Schätze frei, die sich in sich trugen. Die Mär vom Tauerngold ging vom Vater auf den Sohn und auf dessen Kinder und Kindeskinder über.

So kam denn alljährlich zur Heuernte ein kleiner, alter Mann aus Venetien, einen Sack und eine Waage mit sich führend, in das Tauerntal. Regelmäßig machte er in der Schusteralm Rast, wurde stets gut bewirtet und konnte sich von seinem beschwerlichen Weg ausruhen. Als Dank für diese Wohltat schenkte er jedesmal dem Senner und der Sennerin ein Goldstück, doch mußten diese Schweigen geloben. Der Alte jedoch ging zum Tümpel, schöpfte Wasser in einen großen Hut, ließ dieses abrinnen und versenkte sodann den goldhaltigen Sand in den Sack, den er von Zeit zu Zeit abwog. Hatte er das richtige Maß voll, so zog er heimwärts. Dasselbe Spiel wiederholte sich Jahr für Jahr. Senner und Sennerin waren nicht nur älter, sondern auch reicher geworden und sie erwogen, ob sie nicht ein Paar werden und sich ein eigenes Gütl kaufen sollten. Zuvor aber wollte der Senner wissen, woher der alte Mann das viele Gold habe. Er schlich ihm nach und sah seinem sonderbaren Treiben zu. Erschrocken eilte er heim und erzählte der Sennerin allerhand Ungereimtes von Zauber- und Hexengold.

Nun wagten es die beiden nicht, zu heiraten und anzukaufen, denn niemand würde ihnen glauben, daß sie das Gold als Geschenk für ihre Guttat bekommen hätten, im Gegenteil, man würde sie als Hexe und Hexenmeister anklagen und auf dem Scheiterhaufen ins Jenseits befördern. Die Sennerin beschloß, den schweren Dienst aufzugeben, zog sich zu ihren Verwandten zurück, wo sie nach kurzer Zeit plötzlich starb. Die bekräftigte den Senner in seiner Annahme, daß es hier nicht mich rechten Dingen zugehe; er packte seinen Schatz zusammen und wollte ihn zurückwerfen in den Tümpel, woher er gekommen war. So stark aber hatte ihn die Gier nach Gold schon in ihren Klauen, daß er mit dem Beutel wieder in die Hütte zurückkehrte, seinen Dienst aufsagte, ein Leben als Herr zu führen.

Jahre später jedoch kehrte er als Bettler in die Schusteralpe zurück, um dort zu sterben - er hatte sein Gold genossen, Glück hatte es ihm aber keines gebracht! Wie vordem kam der Fremde aus Venetien Jahr für Jahr auf die Schusteralm. Er wurde auch vom neuen Gesinde freundlich aufgenommen, doch Gold gab er niemals mehr dafür. Nur einmal ließ er sich zu wohlgemeinten, aber unüberlegten Worten dem Bauern gegenüber, der zufällig auf der Alm weilte, hinreißen: Er bot diesem den Goldschatz im See als Dank an. Der Bauer wurde stutzig und zornig rief dem Alten zu: "Mein Heu ist mir lieber als dein Gold! Geh deiner Wege und laß dich hier nicht mehr sehen! Das Gewitter, das über uns steht, hast sicher auch zu hergezaubert! Traurig verließ der Fremde den ihn so lieb gewordenen Ort. Neugierig, wie Menschen einmal sind, eilte der Bauer tags darauf mit seinem Gesinde zum Tümpel, fand den goldglitzernden Sand, wußte damit aber nichts anzufangen, und so gingen alle wieder ihrer gewohnten Tagesarbeit nach.

Der Venetier jedoch nahm in Hinkunft seinen Weg durch das Iseltal, überquerte die eisbedeckten Berge und schöpfte nach wie vor sein Tauerngold am gewohnten Platz. Einst fragten ihn die Leute, warum er eigentlich den schwierigen Weg über das Gebirge wählte, und nicht wie einstens durch das Tal wanderte. Zornig blitzten seine Augen die Wissbegierigen an und rief ihnen zu: "Wäre nur einer von euch jemals dort oben gestanden, so würdet ihr nicht so dumm fragen! Von jener Bergspitze aus kann man einen großen Teil der Weltherrlichkeit schauen; ich kann sogar meine vom Meer umschlungene Heimatstadt sehen, mein geliebtes Venedig mit seinen in Gold gefaßten Marmorpalästen und seinen herrlichen Kunstwerken - ja wir haben uns im Meer eine wundervolle Stadt erbaut, unter der die Wellen schaukeln und an deren Pfählen sich der Gischt des Meeres bricht. Aber auch ihr habt da droben ein Meer, nur sind dessen Wellen in ewiger Erstarrung hoch aufgerichtet; an den Felsen und weißen Wänden zerstiebt, vom Sturmwind gepeitscht, der Schaum des Eises."

Man hielt den Fremden, der seitdem nie mehr wiederkehrte, für verrückt - eine goldene Stadt im Meer und erstarrte Wellen am Kößkogl - nicht auszudenken! Seither nannte man aber alle vom warmen Süden kommenden Goldsucher Venedigermandln und aus dem Kößkogl wurde der nun so bekannte und viel begangene Großvenediger.

Als der Wicht geendet hatte, löste er sich in feinen Dunst auf. Verspielt hob ich eine Handvoll Sand und freute mich an den im Sonnenglast vereinzelt aufleuchtenden Stäubchen - doch auch ich wußte damit nichts anzufangen und so ließ ich ihn langsam durch meine Finger zur Erde rieseln.

s'Fritzl

Zu Kals im Kalser Tale, südlich unterm Großglockner gelegen, lebte ein weit verrufener Schwarzkünstler und Wunderdoktor, der zugleich seine Freude daran hatte, den Leuten allerlei Schabernack anzutun und seine Possen vor aller Welt Augen zu treiben. Zu Lienz beim Wirt Sauter schob das Fritzl einmal den Ofen durch die Wand auf die Gasse hinaus, und als er zu jedermanns Verwunderung lange dagestanden hatte, schob er ihn auch wieder in die Stube hinein. Ebenso schob er den Ofen beim Wirt Mayer auf das Hausdach hinauf; da erblickte ihn der Dekan Jäger von seinem Fenster aus und "hängte ihn an", so daß 's Fritzl zum Dekan hingehen und ihn bitten mußte, den Ofen wieder herabschieben zu dürfen. Ein andermal saß an einem Markttage ein Hahn auf einem Dache droben, da machte 's Fritzl die Leute aufmerksam, daß dieser Hahn einen großen Baum am Schweife nachziehe, und wirklich sahen es alle Leute so. Da ging ein Weibsbild die Gasse herauf (es war am Oberplatz zu Lienz) und sagte: "Ihr Narren! er hat ja nur einen Strohhalm im Schweife", und im selben Augenblick glaubte jedermann einen Strohhalm zu sehen; 's Fritzl aber ließ diese Weibsperson nicht ungestraft dafür, und sie mußte, je weiter sie die Straße hinaufging, ihre Kleider desto mehr in die Höhe heben, denn sie glaubte im Wasser zu gehen; daher wurde sie für eine Verrückte gehalten.

Einstens wollte im Salzburger Land ein Gerichtsdiener 's Fritzl einfangen. Da lief es hinter den Ofen hinein, jener wollte es beim Fuß herausreißen, hatte aber nur den Fuß allein in der Hand. Auch konnte es sich in verschiedene Tiere verwandeln. Einstens verwandelte es sich in eine Maus, da kam aber eine Katze ins Zimmer, und da wäre es, wie es nachher sagte, bald zugrunde gegangen, wenn es nicht schnell ein Loch angetroffen hätte. Ebenso verwandelte es Speisen in Mäuse, die es dann gerne zu essen bekam, wenn es sonst nichts gab. 's Fritzl war auch ein Schütz' und schoß absonderlich Gemsen, die es aus weiter Ferne traf, trotz dem Oberleitner in Tarenten. Einst verlangte ein Jäger im Obervollbach vom Fritzl die Gemsen zurück, die es in dessen Revier geschossen, und das Fritzl war gleich bereit. Es trieb auf einmal 30 Stück Gemsen durch den Wald und rief höhnisch: "Na, nimm sie dir doch!" Und flugs liefen alle 30 Gemsen durch die Gassen zum Orte hinaus.

Noch gar viele andere Stücklein werden Fritzl nacherzählt, und man könnte es in bezug auf diese den Pusterer Dr. Faust nennen.

(Quelle: Deutsche Alpensagen. Gesammelt und herausgegeben von Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg, Wien 1861, Nr. 350.)

 

 

 

 

 

 

 

 

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